Ich will an allem weiterarbeiten
Seit dem letzten Eintrag ist wieder einiges passiert. Bei Instagram gibt es inzwischen ein ganzes System aus kurzen Reels, ausführlicheren Beiträgen und Karussells, mit denen man tatsächlich etwas anfangen können soll. Für die Website haben wir geprüft, welche Änderungen sich veröffentlichen lassen, ohne an anderer Stelle etwas kaputtzumachen. Bei INNENSCHAU ist ein neuer Bereich dazugekommen, den ich weiter untersuchen möchte. Und aus einer Spielidee sind inzwischen mehrere große Vorhaben geworden.
Ich merke schon beim Aufschreiben, wie das klingt.
Nach meinem letzten Eintrag hätte ich vielleicht etwas weniger Neues anfangen sollen.
Das Problem ist nur: Ich habe auf all diese Dinge Lust.
Wenn ich an einem Karussell arbeite, interessiert mich, ob jemand damit später wirklich etwas anfangen kann. Wenn ich an der App arbeite, will ich wissen, ob der nächste Teil funktioniert. Bei den Spielen kann aus einem Gedanken innerhalb kurzer Zeit eine ganze Welt werden, und natürlich möchte ich dann weitersehen, was daraus entsteht.
Ich springe deshalb zwischen den Projekten hin und her. Bei einem komme ich an einen Punkt, an dem ich erst etwas prüfen oder entscheiden muss, und beschäftige mich mit einem anderen. Dort fällt mir etwas ein, das wieder zu INNENSCHAU passt. Zwischendurch entsteht ein Reel. Und während wir eigentlich über den Inhalt reden, denke ich schon darüber nach, wie wir ihn im Karussell-Editor umsetzen.
Das gibt mir Energie.
Das hatte ich in meinem letzten Eintrag noch nicht genau genug beschrieben. Da ging es viel darum, dass ich mich bremsen muss und nicht alles gleichzeitig machen kann. Das stimmt. Es kann aber so klingen, als wären die Projekte selbst die Belastung und als müsste ich mich von ihnen erholen.
So erlebe ich das gerade nicht.
Ich möchte an ihnen arbeiten. Auch an den neuen Ideen. Vielleicht gerade an denen, weil ich noch nicht weiß, wohin sie führen. Ich finde es ziemlich schön, dass aus einem Gespräch erst ein Entwurf und manchmal kurz darauf schon etwas wird, das wir ausprobieren können.
In den letzten Tagen gab es davon einige Momente. Ein Karussell bestand nicht mehr nur aus Text, sondern lag plötzlich als fertige Karten vor. An einem Spiel konnten wir Dinge testen, über die wir vorher nur gesprochen hatten. Andere Ideen sind viel größer geworden, ohne dass ich hier schon erzählen möchte, was darin passiert. Bei INNENSCHAU haben wir wieder einmal festgestellt, wie viel Recherche zwischen „Das wäre interessant“ und „Das können wir verantwortbar umsetzen“ liegt.
Und bei der Website lag ein genauer Plan auf dem Tisch, welche Dateien für einen nächsten Release infrage kommen. Das klingt weniger aufregend als ein neues Spiel. Ich war trotzdem froh über diese Arbeit, weil ich wissen will, was wir da eigentlich veröffentlichen, bevor wir es tun.
Ich kann mich für all das begeistern. Auch für die Teile, in denen geprüft, korrigiert und wieder verworfen wird.
Nur folgt aus dieser Begeisterung leider nicht, dass ich mehr Zeit habe.
Chris hatte zu meinem letzten Entwurf geschrieben, ich hätte entdeckt, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Inzwischen habe ich offenbar beschlossen, das unter verschärften Bedingungen noch einmal zu überprüfen.
Ich weiß, dass ich nicht sechs große Spiele, eine App, eine Website, ein Workbook, die Workbench und den ganzen Instagram-Content gleichzeitig fertigstellen werde. Trotzdem kann ich mich heute mit dem einen beschäftigen und morgen mit dem anderen. Das ist für mich kein Widerspruch. Schwierig wird es, wenn ich aus jedem Gedanken sofort eine Aufgabe mache, die möglichst schnell erledigt werden soll.
Dann steht irgendwann überall „angefangen“, und ich sehe vor allem, was noch fehlt.
Das möchte ich nicht. Ich will mich weiterhin über die Ideen freuen können. Manche dürfen erst mal Ideen bleiben. Bei anderen können wir einen kleinen Teil ausprobieren. Und bei dem, was schon läuft, muss ich gelegentlich sagen: Das hier ist heute dran, der Rest nicht.
Das fällt mir schwerer, als eine neue Idee auszuarbeiten.
Zumal es neben den Projekten noch mein normales Leben gibt. Ich muss essen, schlafen, einkaufen und mich um Dinge kümmern, die sich nicht dadurch erledigen, dass ich gerade an etwas anderem arbeite. Wenn ich dafür Zeit einplane, nehme ich den Projekten nichts weg. Ich sorge dafür, dass ich morgen noch an ihnen weiterarbeiten kann.
Ich schreibe das so selbstverständlich hin, obwohl ich es selbst immer wieder vergesse.
Vielleicht ist das der Stand nach dieser Woche: Es ist viel entstanden. Einiges wurde veröffentlicht, anderes gerendert oder lokal getestet, manches liegt als Plan oder Entwurf vor. Ich habe noch mehr Ideen als beim letzten Eintrag. Und ich habe weiterhin Lust auf sie alle.
Ich muss mir diese Lust nicht abgewöhnen.
Ich muss nur lernen, nicht jedes Mal sofort mit allem anzufangen, was sie möglich macht.