Ich schaff das schon alles... irgendwie
Seit dem letzten Eintrag sind wieder ziemlich viele Ideen dazugekommen. Ich könnte jetzt aufzählen, was daraus alles werden soll. Das lasse ich vorerst, weil ich bei einigen Dingen selbst noch nicht weiß, wann ich mich überhaupt darum kümmern könnte. Lust hätte ich jedenfalls auf genug. Die Schwierigkeit besteht gerade eher darin, mich zwischendurch davon abzuhalten.
Das ist eine etwas merkwürdige Form von Überforderung, weil ich durchaus Lust auf das habe, was mich überfordert.
Ich möchte an den Projekten arbeiten. Ich möchte Gedanken weiterverfolgen und ausprobieren, ob etwas funktioniert. Wenn ich eine Möglichkeit sehe, interessiert mich meistens auch ziemlich schnell, wie man sie umsetzen könnte. Und während ich darüber nachdenke, kommen weitere Ideen dazu, die natürlich ebenfalls irgendwie sinnvoll erscheinen.
Für sich genommen sind sie teilweise auch sinnvoll. Nur muss ich sie irgendwann alle in demselben Leben unterbringen.
Da hilft es mir wenig, dass ich für jedes einzelne Projekt erklären kann, warum ich es machen möchte. Ich kann fünf gute Gründe für fünf verschiedene Vorhaben haben und trotzdem keine Zeit, mich um alle gleichzeitig zu kümmern. Zumal das, was vorher schon da war, ja weiter Aufmerksamkeit braucht.
INNENSCHAU wird nicht kleiner, weil mir noch etwas anderes einfällt. Die bisherigen Aufgaben erledigen sich in der Zwischenzeit auch nicht selbst. Und irgendwo dazwischen ist weiterhin Alltag. Den plane ich gerne so ein, als würde er nebenbei schon irgendwie mitlaufen.
Ich schaff das schon alles. Irgendwie.
Ich glaube mir diesen Satz durchaus, wenn ich ihn denke. Das macht es ein bisschen schwierig.
Denn ich weiß ja, dass ich Dinge hinbekomme. Ich sehe, was entsteht, und habe auch Gründe, mir etwas zuzutrauen. Nur sagt die Tatsache, dass ich etwas grundsätzlich schaffen kann, noch relativ wenig darüber aus, ob es gerade eine gute Idee ist, auch noch damit anzufangen.
Gerade weil mir die Arbeit Spaß macht, merke ich nicht automatisch rechtzeitig, wann es zu viel wird. Ich kann mich mit etwas beschäftigen wollen und gleichzeitig eine Pause brauchen. Ich kann noch einen Gedanken haben, den ich unbedingt festhalten möchte, obwohl für den Tag eigentlich genug passiert ist. Die Begeisterung ist dann weiterhin da. Die verfügbare Zeit wird dadurch leider nicht mehr.
Ich habe Chris den Entwurf dieses Eintrags geschickt. Seine Antwort:
Laurin entdeckt, dass der Tag nur 24 Stunden hat
Ja. Gut. Wenn man es so zusammenfasst, hätte ich mir einen Teil des Textes auch sparen können.
Wobei ich das mit den 24 Stunden theoretisch schon wusste. Ich plane nur offenbar immer wieder so, als ließe sich da im Einzelfall noch etwas machen. Vor allem, wenn die nächste Idee wirklich gut ist. Dann muss die doch noch irgendwo hinpassen.
Und ich möchte nicht erst an dem Punkt bremsen, an dem der Alltag so weit in den Hintergrund geraten ist, dass ich mich anschließend mühsam wieder darum kümmern muss.
Essen, schlafen, einkaufen, die normalen Dinge erledigen. Das klingt beim Aufschreiben ziemlich unspektakulär. Es gehört aber zu demselben Leben, in dem ich diese ganzen Projekte machen möchte. Ich kann schlecht dauerhaft so planen, als würde sich jemand anders um diesen Teil kümmern.
Was mich daran nervt: Ich will die Ideen ja nicht loswerden. Da sind Dinge dabei, auf die ich wirklich Lust habe. Ich möchte mich darüber freuen können, ohne sofort wieder zu überlegen, ob ich mir schon zu viel vornehme. Trotzdem muss ich die Frage stellen, bevor aus jeder Idee eine weitere Aufgabe geworden ist.
Ich möchte nicht irgendwann auf Dinge schauen, die mich ursprünglich begeistert haben, und nur noch sehen, was ich überall noch nicht geschafft habe. Dafür sind sie mir eigentlich zu wichtig.
Im Moment geht es deshalb viel darum, mich selbst zu bremsen und auszuhalten, dass etwas erst mal liegen bleiben darf. Auch wenn ich schon ungefähr weiß, wie ich anfangen würde. Auch wenn es mich reizt. Eine Idee festzuhalten müsste eigentlich reichen, ohne dass ich ihr sofort die nächsten Stunden hinterherwerfe.
Ob mir das zuverlässig gelingt, ist eine andere Frage.
Ich merke jedenfalls, dass ich darauf achten muss. Es geht voran, und ich will weitermachen. Ich möchte nur auch noch einen Alltag haben, in dem das auf Dauer möglich ist.
„Ich schaff das schon alles“ ist vielleicht ein bisschen viel versprochen.
An dem „irgendwie“ muss ich jedenfalls noch arbeiten.