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Wer kümmert sich eigentlich um wen?

Wenn ich über Fürsorge in Beziehungen nachdenke, lande ich ziemlich schnell bei der Frage, wie unterschiedlich Verantwortung verteilt sein kann, ohne dass man das im Alltag überhaupt so nennt. In meiner letzten Beziehung war das besonders deutlich. Ich hatte sehr oft das Gefühl, für den inneren Zustand meiner Partnerin mitverantwortlich zu sein. Ich sollte erreichbar sein, zuhören, Krisen auffangen, Konflikte mitregulieren, Dinge erledigen und emotional zur Verfügung stehen, unabhängig davon, wie es mir selbst gerade ging. Das war nicht nur in einzelnen schwierigen Situationen so, sondern wurde irgendwann zu etwas, das sich für mich wie eine dauerhafte Erwartung angefühlt hat.

Dabei geht es mir nicht darum, dass man sich in einer Beziehung nicht gegenseitig auffangen sollte. Natürlich gehört das dazu. Wenn es dem anderen schlecht geht, will ich nicht sagen, dass mich das nichts angeht. Schwierig wurde es für mich dort, wo aus freiwilliger Fürsorge eine Art Zuständigkeit wurde. Ich konnte irgendwann kaum noch unterscheiden, ob ich gerade zuhöre, weil ich das möchte, oder weil ich das Gefühl habe, dass sonst der nächste Konflikt entsteht. Selbst Gespräche, die sich für mich längst im Kreis drehten oder für die ich gerade überhaupt keine Kraft hatte, mussten weitergeführt werden, weil meine Verfügbarkeit offenbar wichtiger war als meine Belastungsgrenze.

Meine eigenen Bedürfnisse habe ich in dieser Beziehung kaum als gleichwertig erlebt. Wenn mich etwas verletzt hat, hatte ich häufig das Gefühl, dass das entweder relativiert, übergangen oder sehr schnell wieder zu einem Problem meiner Reaktion wurde. Gleichzeitig wurde von mir erwartet, dass ich Verletzungen auf der anderen Seite ernst nehme und mein Verhalten entsprechend anpasse. Das war für mich irgendwann keine Frage mehr davon, dass zwei Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben. Es fühlte sich eher an, als gäbe es Bedürfnisse, die automatisch berücksichtigt werden müssen, und andere, über die man verhandeln kann, bis sie praktisch verschwinden.

Rückblickend kenne ich dieses Muster nicht erst aus Partnerschaften. Ich habe schon als Kind und Jugendlicher Verantwortung übernommen, die eigentlich nicht zu mir gehört hätte. Darauf möchte ich öffentlich nicht genauer eingehen, aber für mein Verständnis ist es wichtig, weil solche Rollen nicht plötzlich in einer erwachsenen Beziehung entstehen. Wenn man früh lernt, auf Situationen, Stimmungen oder andere Menschen zu reagieren und Verantwortung zu übernehmen, kann sich das später sehr normal anfühlen. Man merkt dann vielleicht erst spät, dass man wieder in einer Konstellation gelandet ist, in der man sehr viel trägt und erstaunlich wenig darüber nachdenkt, wer eigentlich einen selbst trägt.

Auch in Freundschaften und anderen Beziehungen habe ich erlebt, dass meine Bereitschaft zu helfen sehr schnell selbstverständlich werden konnte. Das war nicht nur emotional. Ich hatte Zugang zu bestimmten Dingen, Materialien oder Themen, konnte etwas organisieren oder hatte Möglichkeiten, die andere gerade nicht hatten. Dann wurde gefragt, ob ich etwas besorgen, weitergeben oder bezahlen kann. Selbst in Zeiten, in denen ich selbst nicht besonders viel hatte, wurde ich nach Geld gefragt. Ich habe Geld verliehen und musste ihm anschließend teilweise hinterherlaufen. Manchmal kam nicht einmal ein Danke. Solche einzelnen Situationen wirken für sich genommen banal, aber wenn sie sich wiederholen, verändert sich irgendwann die Wahrnehmung davon, was andere eigentlich von einem erwarten und wie selbstverständlich die eigene Unterstützung behandelt wird.

Ich würde trotzdem nicht behaupten, dass ich in jeder Beziehung immer derjenige war, der alles getragen hat. Natürlich haben andere Menschen auch Dinge für mich übernommen. Ich war selbst belastet, schwierig, teilweise nicht gut organisiert und auf Unterstützung angewiesen. Der entscheidende Unterschied liegt für mich inzwischen eher zwischen der Frage, ob sich jemand überhaupt um mich gekümmert hat, und der Frage, ob diese Unterstützung in einem Umfang vorhanden war, der meiner tatsächlichen Situation entsprochen hätte. Das sind zwei verschiedene Maßstäbe. Dass jemand gelegentlich etwas für mich tut, bedeutet noch nicht automatisch, dass meine Bedürfnisse in einer Beziehung wirklich berücksichtigt werden.

Für mich war der Abstand zwischen dem, was ich als notwendig erlebt hätte, und dem, was tatsächlich da war, häufig ziemlich groß. Dabei rede ich nicht von einer Vorstellung, dass ein Partner alle Probleme lösen oder ständig verfügbar sein müsste. Eigentlich geht es um etwas sehr Grundsätzliches: Dass meine Grenzen, Verletzungen und Bedürfnisse nicht weniger gelten als die des anderen. Wenn von mir erwartet wird, die Wünsche und Belastungen meines Gegenübers ernst zu nehmen, möchte ich nicht gleichzeitig darum kämpfen müssen, dass meine überhaupt als relevant anerkannt werden.

Das macht die Frage nach Fürsorge für mich inzwischen komplizierter. Man kann sehr viel für jemanden tun und trotzdem aneinander vorbeileben. Man kann praktisch helfen und emotional nicht erreichbar sein. Man kann ständig zuhören und dabei selbst kaum gehört werden. Und man kann Unterstützung bekommen, während die eigentliche Last trotzdem überwiegend bei einem selbst bleibt. Deshalb finde ich die einfache Frage, wer sich um wen gekümmert hat, mittlerweile fast zu grob. Interessanter ist, welche Art von Verantwortung jemand übernommen hat, wie dauerhaft sie war und ob beide Seiten überhaupt die Möglichkeit hatten, ihre eigenen Grenzen zu behalten.

Heute versuche ich zumindest in der Arbeit anders damit umzugehen. Beim Aufbau von katharsis.369 und im Team merke ich sehr deutlich, dass ich nicht jede Verantwortung selbst tragen kann und auch nicht tragen sollte. Ich gebe Aufgaben bewusst an Menschen ab, von denen ich weiß, dass sie bestimmte Dinge besser können als ich. Das fällt mir nicht immer leicht, weil mein erster Impuls häufig immer noch ist, ein Problem selbst zu lösen. Aber wenn aus einem gemeinsamen Projekt tatsächlich ein gemeinsames Projekt werden soll, kann Zusammenarbeit nicht bedeuten, dass einer alles im Kopf behält und die anderen nur einzelne Dinge ausführen.

Vielleicht ist das für mich gerade die praktischste Veränderung: nicht weniger Verantwortung zu übernehmen, sondern genauer darauf zu achten, welche Verantwortung überhaupt meine ist. Das gilt für Arbeit genauso wie für Beziehungen. Jemandem nah zu sein bedeutet für mich nicht mehr automatisch, für seinen gesamten inneren Zustand zuständig zu sein. Und Hilfe verliert ihren Wert nicht dadurch, dass sie Grenzen hat. Im Gegenteil. Ich glaube inzwischen, dass Fürsorge erst dann wirklich gegenseitig werden kann, wenn beide Menschen auch als eigenständige Personen darin vorkommen.

Wenn Fürsorge zur Zuständigkeit wird

Ich glaube, dass Fürsorge gesellschaftlich oft sehr positiv beschrieben wird, ohne besonders genau zu unterscheiden, was damit eigentlich gemeint ist. Für jemanden da zu sein, zuzuhören, praktisch zu helfen oder in einer Krise Verantwortung zu übernehmen, kann etwas sehr Gutes sein. Schwierig wird es für mich dort, wo aus dieser Bereitschaft eine dauerhafte Rolle entsteht und irgendwann nicht mehr gefragt wird, ob die Person, die ständig trägt, selbst noch Kapazität dafür hat.

Gerade emotionale Arbeit ist dabei schwer sichtbar. Wenn jemand immer wieder Gespräche auffängt, Spannungen reguliert, erreichbar bleibt, Konflikte beruhigt oder versucht, die Stimmung des anderen mitzutragen, gibt es dafür selten einen klaren Zeitpunkt, an dem man sagen kann: Das war jetzt Arbeit. Trotzdem kostet es Aufmerksamkeit, Zeit und oft auch Erholung. In Beziehungen wird so etwas schnell als selbstverständlich behandelt, weil Nähe eben bedeutet, füreinander da zu sein. Das stimmt auch. Nur beantwortet dieser Satz noch nicht die Frage, wie viel davon dauerhaft bei einer Person landet.

Ähnlich ist es mit organisatorischer oder materieller Unterstützung. Jemand denkt an Dinge, besorgt etwas, fährt irgendwohin, leiht Geld, übernimmt Aufgaben oder löst Probleme, bevor sie überhaupt beim anderen ankommen. Wenn das oft genug passiert, kann daraus eine stille Infrastruktur werden. Solange sie funktioniert, fällt kaum auf, dass sie überhaupt existiert. Erst wenn die Person irgendwann nicht mehr kann oder nicht mehr will, wird sichtbar, wie viel vorher auf ihr gelegen hat.

Ich glaube, dass sich solche Rollen auch deshalb so leicht festsetzen, weil Menschen unterschiedliche Stärken und unterschiedliche Belastungsgrenzen haben. Wenn einer besser organisiert ist, wird er schnell zum Organisierenden. Wenn einer ruhiger in Krisen bleibt, wird er zum Krisenmanager. Wenn einer leichter Geld vorstrecken kann, wird er häufiger gefragt. Das muss nicht sofort unfair sein. In einer funktionierenden Beziehung kann es völlig sinnvoll sein, Dinge unterschiedlich zu verteilen. Problematisch wird es erst, wenn aus einer praktischen Aufgabenteilung eine feste Zuständigkeit wird und die andere Seite ihre eigene Verantwortung zunehmend abgibt.

Für mich liegt genau dort ein wichtiger Unterschied zwischen Unterstützung und Überverantwortung. Unterstützung heißt, dass ich jemandem bei etwas helfe, das grundsätzlich weiterhin zu seinem eigenen Leben gehört. Überverantwortung beginnt dort, wo ich mich irgendwann dafür zuständig fühle, dass der andere emotional stabil bleibt, seine Konflikte aushält, seine Entscheidungen organisiert oder mit den Folgen seines eigenen Verhaltens zurechtkommt. Dann verschiebt sich die Beziehung. Ich bin nicht mehr nur Partner, Freund oder Familienmitglied, sondern gleichzeitig Regulator, Problemlöser und Auffangsystem.

Das kann sich trotzdem lange nach Nähe anfühlen. Gerade wenn man gebraucht wird, kann das auch Bedeutung geben. Man ist wichtig, weil man etwas zusammenhält. Das macht es nicht automatisch gesund oder ungesund, aber es erklärt vielleicht, warum solche Rollen nicht immer sofort als Belastung erkannt werden. Man kann sich gleichzeitig erschöpft und unverzichtbar fühlen. Und wenn die Beziehung lange über genau diese Dynamik funktioniert hat, kann schon eine normale Grenze wie Rückzug wirken.

Die andere Schwierigkeit besteht darin, dass Gegenseitigkeit nicht bedeutet, dass beide exakt dasselbe leisten müssen. Menschen brauchen zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich viel Unterstützung. In einer Krankheit, Krise oder schwierigen Lebensphase kann eine Person über Monate deutlich mehr tragen als die andere. Das halte ich nicht für ein Problem, solange grundsätzlich erkennbar bleibt, dass beide Menschen Verantwortung füreinander und für sich selbst haben. Ungleichgewicht und Einseitigkeit sind für mich nicht dasselbe.

Ein Verhältnis wird aus meiner Sicht eher dann einseitig, wenn die Bedürfnisse einer Person dauerhaft als dringlicher gelten, während die Belastung der anderen nur so lange akzeptiert wird, wie sie die Versorgung nicht stört. Dann kann sogar viel Fürsorge vorhanden sein und die Beziehung trotzdem kaum gegenseitig sein. Entscheidend ist nicht nur, wie viel jemand tut, sondern ob seine eigenen Grenzen innerhalb dieser Beziehung ebenfalls Konsequenzen haben dürfen.

Das betrifft auch Erwartungen. Wenn ich von jemandem erwarte, dass er jederzeit zuhört, beruhigt, organisiert oder erreichbar ist, dann erwarte ich nicht nur Zuneigung. Ich erwarte eine Leistung. Das muss nichts Kaltes oder Geschäftliches daraus machen. Aber vielleicht wäre es ehrlicher, manche Beziehungsanforderungen auch als Aufwand zu erkennen, statt sie vollständig hinter Begriffen wie Liebe, Loyalität oder Familie zu verstecken.

Gerade Familie wird dabei häufig besonders stark aufgeladen. Es gibt die Vorstellung, dass man sich füreinander kümmern muss, weil man eben Familie ist. Für mich sagt diese Zugehörigkeit allein aber noch nichts darüber aus, welche Verantwortung zumutbar ist. Ein Kind sollte nicht deshalb bestimmte Lasten übernehmen müssen, weil gerade niemand anderes da ist. Ein erwachsener Mensch muss nicht jede Grenzüberschreitung akzeptieren, weil jemand verwandt ist. Und Hilfe verliert nicht ihren Wert, wenn sie freiwillig bleibt.

Dasselbe gilt für Freundschaften. Wenn jemand oft hilft, heißt das nicht automatisch, dass diese Hilfe unbegrenzt verfügbar ist. Geld zu leihen, Dinge zu organisieren oder Wissen und Ressourcen zu teilen kann selbstverständlich Teil einer Freundschaft sein. Wenn aber nur noch die Zugänglichkeit dieser Ressourcen interessant wird und die Person dahinter immer weniger, verändert sich etwas. Dann wird aus Beziehung irgendwann Nutzung, auch wenn niemand diesen Begriff benutzen würde.

Ich finde deshalb die Frage „Wer kümmert sich um wen?“ inzwischen interessanter als die allgemeinere Frage, ob Menschen füreinander da sind. Fast alle würden vermutlich sagen, dass sie das sind. Spannender ist, wer an wen denkt, wer nachfragt, wer organisiert, wer Konflikte auffängt, wer Geld vorstreckt, wer immer verfügbar sein soll und wer sich zurückziehen darf, wenn es ihm zu viel wird. Erst wenn man diese Dinge konkret betrachtet, wird sichtbar, wie eine Beziehung tatsächlich funktioniert.

Bei mir hat es lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass Verantwortung abzugeben nicht dasselbe ist wie jemanden im Stich zu lassen. Gerade im Team lerne ich das gerade auf eine andere Weise. Wenn jemand eine Kompetenz besser beherrscht als ich, muss ich nicht trotzdem alles kontrollieren, nur damit ich mich verantwortlich fühle. Ich kann Verantwortung teilen, ohne mich daraus vollständig zurückzuziehen. Vielleicht ist das auch für Beziehungen eine sinnvollere Vorstellung von Fürsorge: nicht alles für den anderen tragen, sondern dafür sorgen, dass Verantwortung überhaupt gemeinsam getragen werden kann.

Fürsorge braucht Grenzen, sonst wird sie unsichtbar

Ich glaube, dass ich heute stärker darauf achte, ob Fürsorge tatsächlich gegenseitig organisiert ist oder nur so aussieht. Früher hätte ich wahrscheinlich schneller gesagt, dass man in einer Beziehung eben füreinander da sein muss. Das stimmt für mich weiterhin. Aber ich würde heute sofort ergänzen, dass dieses Füreinanderdasein nicht bedeuten kann, dass eine Person dauerhaft ihre eigenen Grenzen verschiebt, damit die andere stabil bleibt.

Ein Teil davon hat sicher mit Rollen zu tun, die man früh lernt. Wenn man schon als Kind Verantwortung übernimmt, die eigentlich nicht zu einem gehört, kann sich Überverantwortung später erstaunlich normal anfühlen. Man merkt dann vielleicht gar nicht sofort, dass man wieder Dinge trägt, die eigentlich geteilt werden müssten. Ich möchte darüber öffentlich nicht jedes Detail erzählen, aber für mich erklärt dieser Hintergrund einiges. Bestimmte Muster beginnen nicht erst in der letzten Beziehung. Sie werden dort nur sichtbarer.

Heute versuche ich deshalb stärker zu unterscheiden, was meine Verantwortung ist und was nicht. Ich kann zuhören, ohne jedes Problem lösen zu müssen. Ich kann jemanden unterstützen, ohne für seinen gesamten inneren Zustand zuständig zu sein. Ich kann helfen, ohne automatisch verfügbar zu sein. Und ich kann auch erwarten, dass meine eigenen Verletzungen und Grenzen nicht weniger Gewicht haben als die des anderen.

Dasselbe lerne ich gerade im Team. Früher war mein Impuls oft, möglichst viel selbst zu kontrollieren, weil ich dann wenigstens wusste, dass es erledigt wird. Inzwischen merke ich, dass ein gemeinsames Projekt nur funktioniert, wenn Verantwortung tatsächlich verteilt wird. Wenn jemand etwas besser kann als ich, muss ich ihm diese Kompetenz auch wirklich überlassen. Sonst habe ich zwar formal ein Team, trage aber praktisch weiterhin alles selbst.

Das heißt nicht, dass ich damit plötzlich gut darin bin. Ich arbeite immer noch zu viel, übernehme zu schnell Dinge und merke oft erst spät, dass ich schon wieder zu viel auf meinem eigenen Tisch gesammelt habe. Aber wenigstens erkenne ich das Muster heute schneller. Und ich merke, dass Verantwortung abzugeben nicht bedeutet, Kontrolle zu verlieren, sondern im besten Fall überhaupt erst Platz dafür zu schaffen, dass andere Verantwortung übernehmen können.

Vielleicht ist das auch der Punkt, an dem ich Fürsorge heute anders verstehe. Fürsorge heißt für mich nicht mehr, möglichst viel für andere auszuhalten. Sie zeigt sich eher darin, ob Beziehungen so organisiert sind, dass beide Menschen darin vorkommen. Ob einer sagen darf, dass er gerade nicht kann. Ob Hilfe freiwillig bleibt. Ob Unterstützung auch zurückfließen kann. Und ob Nähe bestehen bleibt, wenn jemand einmal nicht funktioniert.

Wenn das nicht möglich ist, würde ich heute vorsichtiger mit dem Wort Fürsorge umgehen. Dann kann etwas nach außen sehr eng, loyal oder unterstützend wirken und trotzdem auf einer Verteilung beruhen, die eine Person langsam aufbraucht.

Genau deshalb interessiert mich die Frage „Wer kümmert sich eigentlich um wen?“ inzwischen mehr als die Behauptung, dass man füreinander da sei. Die Antwort zeigt sich für mich nicht in großen Worten, sondern im Alltag: Wer darf Bedürfnisse haben, wer darf Grenzen setzen, wer trägt welche Last und was passiert, wenn derjenige, der sonst immer trägt, einmal selbst nicht mehr kann?

→ Als Nächstes: Wem gehört deine Zeit, wenn du ständig nur noch funktionierst?