Drei getrennte Fragen
Was wurde untersucht, für wen gilt der Befund und was folgt daraus ausdrücklich nicht?
Bewegung
Eine große Netzwerkmetaanalyse randomisierter Studien fand für verschiedene Formen von Bewegung im Durchschnitt eine Verringerung depressiver Symptome. Die Sicherheit einzelner Vergleiche war unterschiedlich. Daraus folgt weder, dass Bewegung bei jeder Person wirkt, noch dass sie eine notwendige Behandlung automatisch ersetzt.
Umsetzbarkeit gehört zur Wirkung: Antriebsmangel, Schmerzen, Erschöpfung, Behinderung oder fehlender sicherer Raum können Bewegung erschweren. „Mach doch Sport“ ist deshalb keine ausreichende Behandlungsempfehlung.
Helle Lichttherapie bei nicht saisonaler Depression
Eine systematische Übersicht und Metaanalyse fand bei nicht saisonalen depressiven Störungen im Mittel häufiger Ansprechen und Remission als unter den jeweiligen Kontrollbedingungen. Studienprotokolle, Behandlungsdauer und Vergleichsbedingungen unterschieden sich. Das Ergebnis ist deshalb ein Gruppenbefund, keine Vorhersage für eine einzelne Person.
Lichtstärke, Abstand und Zeitpunkt gehören zu einem konkreten Protokoll. Besonders bei bipolarer Vorgeschichte oder möglicher manischer Aktivierung sollte Lichttherapie nicht ohne fachliche Abklärung begonnen werden.
Spezialisierte Verfahren bei therapieresistenter Depression
Eine Netzwerkmetaanalyse verglich acht zusätzliche beziehungsweise intensivierte Behandlungsansätze bei therapieresistenter Depression. Solche Vergleiche können zeigen, welche Verfahren in Studiengruppen besser oder schlechter abschnitten. Sie beantworten nicht, welches Verfahren für eine einzelne Person geeignet oder sicher ist.
Ketamin oder Esketamin, Neuromodulation und andere spezialisierte Verfahren brauchen Diagnostik, Auswahl, Überwachung und Nachsorge. Ein rascher Wirkeintritt macht daraus keine risikoarme Alltagsoption.
Was diese Fassung nicht bewertet
Psychotherapie, Psilocybin, Johanniskraut, Achtsamkeitsprogramme, Atemarbeit, Akupunktur, Kälteanwendungen und Klangangebote brauchen jeweils eine eigene Quellen- und Sicherheitsprüfung.
Welches konkrete Problem soll behandelt werden?
Für welche Diagnose und Population wurde das Verfahren untersucht?
Welche Risiken, Wechselwirkungen und Zugangsvoraussetzungen gelten?
Woran wird gemeinsam geprüft, ob Nutzen und Belastung in einem vertretbaren Verhältnis stehen?
Quellen und Einordnung
Die drei Übersichtsarbeiten tragen nur die Abschnitte zu Bewegung, heller Lichttherapie und spezialisierten Verfahren bei therapieresistenter Depression. Sie bilden keine Rangliste aller Behandlungen und sagen nicht voraus, was einer einzelnen Person hilft.