Was SSRIs behandeln, und was nicht
Der Unterschied zwischen Symptom und Ursache ist hier keine Nebensache.
Die Reichweite der Wirkung
Die hier ausgewerteten Übersichten untersuchen Behandlungsergebnisse bei PTBS beziehungsweise die Komorbidität von ADHS und PTBS. Sie belegen kein einheitliches Wirkprofil von SSRIs bei einer Kombination aus kPTBS, ADHS und Autismus.
Für eine konkrete Behandlung muss deshalb vorab festgelegt werden, welches Symptomziel geprüft wird und wie Nutzen und Belastung beobachtet werden. Eine Veränderung einzelner Beschwerden beweist keine bestimmte Ursache.
Symptomziel und Diagnose nicht verwechseln
Für PTBS gibt es Studien zu medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlungen. Diese Daten lassen sich nicht automatisch auf kPTBS oder auf eine einzelne Person übertragen. Ein Antidepressivum kann einzelne gleichzeitig bestehende Beschwerden beeinflussen, ohne damit eine Ursache zu beweisen oder alle Problembereiche zu verändern. Welche Behandlung sinnvoll ist, gehört in eine individuelle fachliche Abklärung.
AuDHS nicht aus PTBS-Daten ableiten
Die drei Quellen sind keine Leitlinien für die Behandlung von Autismus oder ADHS mit SSRIs. Die ADHS-/PTBS-Übersicht beschreibt Komorbidität, nicht die Wirksamkeit eines SSRI für ADHS- oder Autismusmerkmale.
Gleichzeitig bestehende Depression, Angst, Schlafprobleme, ADHS-Merkmale, autistische Belastung und Traumafolgen müssen als getrennte Prüfbereiche dokumentiert werden. Aus einer ähnlichen Alltagsschilderung lässt sich nicht entscheiden, welcher Bereich vorliegt oder welches Medikament passt.
Woran ich das für mich festmache
Sechs Punkte, die ich mir vor jedem künftigen medikamentösen Versuch stellen würde.
Welche Diagnose, welche Alternativerklärungen und welches konkrete Symptomziel wurden fachlich geprüft?
Gibt es ein konkretes Ziel, etwa weniger Hyperarousal, das Traumatherapie erst zugänglich macht, statt vager Stimmungsbesserung?
Welche weiteren bestätigten Problembereiche brauchen parallel eine eigene Unterstützung?
Welche beobachtbare Veränderung gilt als Nutzen, welche als Belastung und was bleibt unverändert?
Wird die Zugänglichkeit für emotionale Verarbeitung beobachtet, nicht nur die allgemeine Stimmung?
Ist von Anfang an klar, wann und wie überprüft wird, ob es überhaupt noch etwas bringt?
Quellen und Einordnung
Die beiden Behandlungsübersichten betreffen PTBS, nicht automatisch kPTBS. Die ADHS-/PTBS-Übersicht belegt Komorbidität, aber keine SSRI-Wirkung bei ADHS oder Autismus. Persönliche Erfahrungen bleiben als solche gekennzeichnet.