Spuren · 13. August 2026
13. August 2026 Persönliches Arbeit an der Reihe

Zwischen Idee und Umsetzung, die berühmten zwei Schritte zurück

In meinen Stories wirke ich im Moment oft ziemlich fröhlich, und das bin ich in diesen Momenten auch. Das ist keine Fassade, die ich morgens irgendwo aus dem Schrank hole, damit online alles schöner aussieht. Nur erzählt so eine Story eben fünfzehn Sekunden, während ein Tag ein paar mehr davon hat.

Manche Tage, manchmal auch mehrere hintereinander, fühlen sich gerade wie ein Strudel an. Es passiert ständig irgendetwas, und gleichzeitig bleibt erstaunlich wenig davon hängen. Irgendwann schaue ich auf die Uhr und es ist Abend. Wenn ich dann überlege, was ich eigentlich gemacht habe, kann ich die Stunden kaum noch auseinanderhalten. Passiert ist durchaus etwas, nur war mein Kopf an fünf Stellen gleichzeitig, und kaum eine davon hat einen sauberen Abschluss bekommen.

Das sieht man besonders beim Content. Ich habe Ordner voller Anfänge, mit Texten, Ideen und halben Posts. Manchmal öffne ich eine Datei, lese den ersten Absatz und weiß sofort wieder genau, was ich damit vorhatte. Der Gedanke ist noch da, nur die Energie, ihn fertigzumachen, ist verschwunden.

Zwischen Idee und Umsetzung liegt bei mir wahrscheinlich einer der größten Unterschiede zwischen dem, was ich theoretisch könnte, und dem, was am Ende tatsächlich draußen landet. Das ist ziemlich frustrierend, weil mein Kopf mit neuen Dingen überhaupt kein Problem hat. Eine neue Idee ist sofort interessant, und auch das Anfangen fällt mir leicht. Beim letzten, ruhigen, langweiligen Teil fühlt sich derselbe Gegenstand plötzlich an, als hätte ihn jemand gegen eine Attrappe ausgetauscht.

Im Moment funktionieren vor allem INNENSCHAU und Content zuverlässig, der aus einer akuten Ladung entsteht. Wenn mich etwas beschäftigt, aufregt oder wütend macht, kann ich daraus ziemlich direkt etwas bauen. Dann ist eine Dringlichkeit da, etwas muss raus. Der langsame Aufbau funktioniert schlechter, obwohl gerade der bei einigen anderen Dingen dringend nötig wäre.

Zum Beispiel bei der Bürokratie rund um meine Selbstständigkeit. Die fühlt sich aktuell an wie ein Berg, bei dem mein Kopf schon vor dem ersten Schritt entscheidet, dass wir offenbar ohne Ausrüstung den Mount Everest besteigen sollen. Objektiv ist das natürlich Quatsch. Es geht teilweise um Formulare, Anmeldungen und Telefonate, also Dinge, die andere Menschen jeden Tag erledigen. Mein Widerstand dagegen fühlt sich trotzdem körperlich an.

Ich weiß inzwischen auch, dass ich mir einen Teil davon mit meiner eigenen Systemkritik zusätzlich kompliziert mache. Wenn ich Regeln eines Systems befolgen soll, dem ich grundsätzlich misstraue, geht bei mir sehr schnell innerlich alles auf Widerstand. Dann hängt an irgendeinem völlig banalen Formular plötzlich das gesamte politische, institutionelle und moralische System dahinter. Natürlich hat mein Gewerbeschein nicht persönlich alles verbrochen, was ich an staatlichen oder gesellschaftlichen Strukturen kritisiere. Das weiß ich. Mein Nervensystem scheint diese Differenzierung in dem Moment nur nicht besonders beeindruckend zu finden.

Ich könnte daraus schnell die schöne Geschichte bauen, dass ich eben zu frei für Bürokratie bin. Das klingt toll, hilft mir aber überhaupt nicht, wenn das Formular danach immer noch nicht ausgefüllt ist. Also muss ich wahrscheinlich ernst nehmen, dass mein Widerstand einen Grund hat, und trotzdem Wege finden, Dinge zu erledigen, die nun einmal erledigt werden müssen.

Radfahren hilft momentan wenigstens dabei, den Kopf zwischendurch etwas runterzufahren. Er wird dabei nicht plötzlich leer, aber leiser, und manchmal reicht das schon. Ich fahre teilweise Strecken, die ich hundertmal gefahren bin, und sie fühlen sich trotzdem anders an, je nachdem, was gerade in mir los ist.

In den letzten Tagen beschäftigt mich dabei auch ständig das Wetter. Es ist trocken, und die Luft fühlt sich für mich teilweise unangenehm drückend an. Mein Kopf fängt sofort an, daraus größere Zusammenhänge zu bauen, mit Klima, Politik, Verantwortung und Systemen. Mich beschäftigt, wer welche Folgen trägt und wer sich ihnen entziehen kann.

Vor ein paar Tagen hätte ich wahrscheinlich noch sehr direkt geschrieben, dass die übliche Erklärung für die Trockenheit und die drückende Luft nicht stimmen kann. Inzwischen merke ich, dass ich damit das machen würde, was ich an anderen Stellen gerade zu vermeiden versuche: Ich habe ein Gefühl, beobachte etwas, und mein Kopf baut eine Verbindung. Die kann interessant sein, ist aber noch kein Beweis.

Vielleicht hängt manches tatsächlich miteinander zusammen. Vielleicht werfe ich auch gerade mehrere Ebenen in denselben Topf, weil sie sich für mich ähnlich anfühlen. Ich kann das im Moment nicht sauber auseinanderklamüsern. Und vielleicht muss ich das auch nicht sofort.

Das ist gerade sowieso ein ziemlich gutes Bild für meinen gesamten Zustand. Ideen und Projekte sind da, aber auch Widerstand, Energie, Lähmung, Fröhlichkeit und Erschöpfung. Von außen können diese Dinge aussehen, als würden sie sich gegenseitig ausschließen. Offenbar tun sie das nicht.

Ich kann in einer Story ehrlich lachen und zwei Stunden später vor einem Formular sitzen, als hätte mir jemand den Stecker gezogen. Ich kann an INNENSCHAU weiterbauen und gleichzeitig zehn kleine Aufgaben seit Tagen vermeiden. Ich kann ziemlich genau verstehen, warum etwas passiert, und trotzdem noch keinen Weg gefunden haben, es zu verändern.

Vielleicht sind die berühmten zwei Schritte zurück deshalb gerade gar nicht das eigentliche Problem. Vielleicht laufe ich einfach nicht auf einer geraden Linie. Das ist beschissener zu planen, beschreibt meinen Zustand inzwischen aber etwas ehrlicher.