Ein zweites Werkzeug für dieselbe Frage
Seit ein paar Tagen sitze ich wieder deutlich öfter am Astrologie-Tool für INNENSCHAU. Die Idee ist nicht neu. Sie schwirrt schon länger irgendwo in meinem Kopf herum und hat dort das gemacht, was Ideen bei mir ziemlich gerne machen: sich mit anderen Dingen verbinden, größer werden, wieder verschwinden, an einer völlig anderen Stelle auftauchen und dabei so tun, als wäre die Verbindung schon immer offensichtlich gewesen.
Diese Woche ist daraus zum ersten Mal etwas geworden, das ich tatsächlich anfassen kann: ein Gerüst, noch kein fertiges Produkt, aber genug Struktur, dass ich nicht mehr nur über die Idee rede.
Der Ausgangspunkt ist eigentlich ziemlich einfach. INNENSCHAU schaut mit Fragebögen, Beobachtung und Reflexion von innen auf einen Menschen. Mich interessiert, was passiert, wenn ich daneben ein zweites Werkzeug stelle, das aus einer völlig anderen Richtung kommt. Astrologie arbeitet mit anderen Daten, stellt andere Fragen und besitzt auch nicht denselben wissenschaftlichen Status. Gerade diese Unterschiede machen die Kombination für mich interessant.
Astrologie soll dabei nicht beweisen, wer jemand „wirklich“ ist. Das wäre genau die Art von absolutem Deutungssystem, die ich vermeiden will. Ich möchte untersuchen, was passiert, wenn zwei völlig unterschiedliche Systeme ähnliche Themen sichtbar machen, und was passiert, wenn sie es nicht tun. Die Fragebögen bleiben ein Werkzeug; Astrologie wäre eine zweite Sprache, keine übergeordnete Wahrheit.
Diese Woche habe ich vor allem daran gearbeitet, wie so etwas technisch und konzeptionell überhaupt in INNENSCHAU passen kann. Es geht darum, wo es an bestehende Ergebnisse andockt, was ein eigenes Produkt bleibt und was in INNENSCHAU+ gehört. Dazu muss klar werden, welche Teile sich gegenseitig beeinflussen dürfen und wo die Trennung sichtbar bleiben muss.
Das klingt erst einmal nach ziemlich trockener Architekturarbeit. Für mich ist das inzwischen aber fast der interessantere Teil. Ideen habe ich am Tag genug. Schwierig ist, daraus etwas zu bauen, das nicht nach drei Wochen auseinanderfällt, weil ich am Anfang zwanzig grundlegende Fragen übersprungen habe.
Ich merke gerade immer stärker, dass Werkzeuge am Anfang ruhig langsam sein dürfen, wenn sie später tragen sollen. Das gilt für Code und wahrscheinlich noch viel mehr für Deutungssysteme.
Astrologie ist für mich an dieser Stelle keine Wahrsagerei. Ich möchte damit keine Zukunft vorhersagen und niemandem erklären, welche Person er angeblich sein muss, weil irgendwo ein Planet stand. Mich interessiert sie als Sprache für Muster. Ob diese Sprache am Ende wirklich etwas zusätzlich sichtbar macht, ist für mich noch keine beantwortete Frage. Deshalb baue ich das Werkzeug, ohne die Antwort schon vorher einzuprogrammieren.
Das Gerüst steht inzwischen. Darauf kann ich weiterarbeiten.
Während ich über Architektur, Daten und Deutung nachdenke, ist nebenbei noch etwas passiert, das ich fast übersehen hätte: Der Instagram-Account ist über tausend Follower gewachsen. Ich habe die Zahl nicht groß gefeiert, sondern kurz draufgeschaut, sie registriert und weitergemacht. Erst später ist mir aufgefallen, was mich daran eigentlich mehr interessiert als die Zahl selbst.
Menschen lesen mit, antworten, schicken Beiträge weiter und markieren andere Menschen. Sie schreiben, dass sie sich in einem Satz oder einer Erfahrung wiedererkannt haben. Das passiert noch im Kleinen, in Kommentaren, Nachrichten und einzelnen Gesprächen, aber deutlich häufiger als noch vor ein paar Wochen.
Vielleicht liegt dort irgendwann auch eine interessantere Funktion solcher Werkzeuge. Sie könnten Menschen helfen, etwas über sich zu beobachten, ohne ihnen zu sagen, wer sie sind. Vielleicht entdeckt jemand dabei, dass ein anderer Mensch an einer völlig anderen Stelle etwas Ähnliches erlebt.
Ob Astrologie dafür am Ende wirklich etwas beiträgt, muss sich zeigen. Ich möchte diese Antwort nicht vorwegnehmen. Inzwischen gibt es wenigstens etwas, an dem man sie prüfen kann, und damit mehr als eine weitere Idee in meinem Kopf.